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genussMOMENTE
FRANKREICH – ELEGANZ IN KLEINEN SCHLUCKEN gehört es zur Gastfreundschaft, dass zu jedem Getränk
In Frankreich ist der Aperitif ein fester Bestandteil des ge- automatisch eine Kleinigkeit gereicht wird, besonders in
selligen Lebens. Ob bei Freunden zu Hause oder auf der Andalusien oder Madrid. Der Apéro ist hier nicht der Auf-
Terrasse eines Straßencafés: ein Glas Pastis in Marseille, takt, sondern Teil eines langen, genussvollen Abends. Und
ein kühler Lillet Blanc in Bordeaux oder ein Crémant in Paris. auch wenn er informell wirkt, ist er tief in der Kultur verwur-
Hier hat der Apéro Stil. Gereicht werden dazu einfache, zelt: ein Ausdruck von Gemeinschaft, Lebensfreude und
aber hochwertige Kleinigkeiten: marinierte Oliven, hauch- regionaler Vielfalt.
dünn geschnittener Schinken, Mini-Quiches oder feine
Käsestücke mit frischem Baguette.
Was zählt, ist die Atmosphäre: entspannt, geschmackvoll,
zwanglos. Der französische Apéro ist oft ein Übergang vom
Tag zum Abend und beginnt nicht selten schon am späten
Nachmittag. Besonders im Süden gilt: Ein Apéro ohne Son-
nenuntergang ist möglich, aber sinnlos.
ITALIEN – APERITIVO MIT LA DOLCE VITA
In Italien ist der Aperitivo nicht nur eine Mahlzeit vor der
Mahlzeit. Er ist auch eine Lebenseinstellung. Vor allem in
Städten wie Mailand, Turin oder Bologna trifft man sich ab
18 Uhr in Bars und Cafés. Gern bestellt werden Aperol Spritz, Kleine Häppchen.
Negroni, Americano oder einfach ein Glas Prosecco. Was Große Momente.
ihn besonders macht, ist das kulinarische Drumherum: Echter Genuss.
Antipasti, kleine Tramezzini, Pizzette, Oliven, Bruschetta,
gefüllte Zucchiniblüten oder frittiertes Gemüse. Je nach Lokal SCHWEIZ – L’APÉRO MIT SUBSTANZ
und Region fallen die Häppchen üppiger oder puristischer In der Schweiz ist der Apéro ein soziales Ritual. Er kann vor
aus. Viele Bars bieten sogar ein kleines Büffet, das im Preis dem Abendessen stattfi nden, aber auch als eigenständiger
des Getränks enthalten ist; Aperitivo all’italiana eben. Dabei Anlass zelebriert werden, vor allem in Form des Apéro
geht es nicht nur ums Essen, sondern auch um den Aus- riche. Dabei werden nicht nur kleine Snacks, sondern auch
A zelebrieren. Kurz gesagt: il piacere della convivialità. Desserts serviert. Besonders beliebt: Trockenfl eisch, feine
Apéro-Kulturpéro-Kultur
warme Häppchen, Canapés, Käseplatten oder Mini-
tausch: Freunde treffen, Menschen beobachten, das Leben
Brotsorten, Raclette-Häppchen oder würzige Käsewürfel.
Ob privat, geschäftlich oder festlich: Der Apéro gehört zum
in Europa Schweizer Alltag wie das Fondue zum Winter. Er steht für
gepfl egte Gastfreundschaft, für Gemeinsamkeit ohne Eile
und für den liebevollen Umgang mit regionalen Produkten.
Wer eingeladen wird, bekommt nicht einfach ein Glas ge-
reicht, sondern das Gefühl, willkommen zu sein.
Ein kleiner Genuss für große Momenteleiner Genuss für große Momente
Ein k
PORTUGAL, GRIECHENLAND, SKANDINAVIEN –
VIELFALT AUF DEM VORMARSCH
b nach der Arbeit, vor dem Essen oder einfach als kleine Auszeit vom Alltag: Der Apéro, Auch außerhalb der bekannten Apéro-Hochburgen wird
oder Aperitif, ist in vielen Teilen Europas weit mehr als ein Getränk. Er ist ein Ritual, ein der Brauch gepfl egt, wenn auch in unterschiedlicher Aus-
Osozialer Moment, ein Lebensgefühl. Eine Einladung, innezuhalten, sich Zeit zu nehmen, prägung. In Portugal genießt man gern ein Glas Portwein
miteinander ins Gespräch zu kommen, begleitet von feinen Häppchen, prickelnden Getränken und oder Ginjinha (Sauerkirschlikör) mit etwas Hartkäse und Oli-
viel Atmosphäre. Was genau gereicht wird, variiert von Land zu Land. Doch so verschieden die SPANIEN – TAPAS, TINTO UND TRADITION ven. In Griechenland geht nichts über einen kühlen Ouzo
kulinarischen Details auch sind, eines haben alle Varianten gemeinsam: Der Apéro schafft Nähe. Die spanische Variante des Apéros verschwimmt oft mit oder Tsipouro, begleitet von Meze, kleinen Gerichten mit
Er bringt Menschen zusammen, regt zum Gespräch an, entschleunigt – und das mit wenig Aufwand. dem Abendessen, was an der Esskultur des Landes liegt. frischem Brot, Feta, gegrilltem Gemüse oder Tintenfi sch.
Ein paar sorgfältig ausgewählte Zutaten, ein gut gekühltes Getränk, etwas Zeit. Mehr braucht Abends zieht man von Bar zu Bar, bestellt una caña (ein Und sogar im hohen Norden erfreut sich das Ritual zuneh-
es nicht für diesen kleinen Luxus des Alltags. In einer Welt, die sich immer schneller dreht, ist der kleines Bier) oder ein Glas Tinto de Verano, dazu eine Aus- mender Beliebtheit: In Schweden beispielsweise trifft man
Apéro ein wohltuender Gegenentwurf. Ein Plädoyer für Genuss, Stil und ein bewusstes Miteinander. wahl an Tapas. Diese kleinen Häppchen sind fester Be- sich zum fördrink – einem Drink vor dem Abendessen,
standteil der spanischen Esskultur und reichen von mari- meist mit Chips, Dips oder geräuchertem Fisch. Auch hier
nierten Oliven über frittierte Tintenfi schringe bis zu würziger geht es um mehr als nur Essen oder Trinken. Hier wird ein
Chorizo oder feinem Manchego-Käse. In vielen Regionen Moment der Verbindung geschaffen und gelebt. ■
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