Page 95 - KTF_253605_Magazin_LRK_2026_fin_ALLIANCE
P. 95

genussMOMENTE



        schon beim Backen den ersten Löffel Schokoladenteig ab, ein
        Ritual, das mindestens so unvergesslich ist wie der fertige Ku-
        chen.

        KÄSEKUCHEN UND OBSTKUCHEN –
        CREMIG ODER SAFTIG
        Neben Schokolade waren es vor allem Käse- und Obstkuchen,
        die in Omas Repertoire unverzichtbar waren. Käsekuchen, mal
        mit Mürbeteig, mal ohne Boden, war ein echter Dauerbrenner. Er
        konnte schlicht und cremig sein oder mit Rosinen oder Zitrus-
        früchten verfeinert. Jede Familie hatte ihre eigene Variante. Obst-
        kuchen wiederum brachten die Jahreszeiten auf den Tisch: im
        Frühling Rhabarber, im Sommer saftige Kirschen oder Beeren,
        im Herbst Pflaumen oder Birnen. Auf einem lockeren Hefebo-
        den, garniert mit Streuseln, wurden sie zu Lieblingen der ganzen   Versunkener
        Familie. Diese Kuchen waren saisonale Höhepunkte und gleich-
                                                                   Apfelkuchen
        zeitig ein Ausdruck von Regionalität und Tradition.

        NUSSIG UND AROMATISCH –
        STRIEZEL, NUSSECKEN & CO.                                  Zutaten (für eine Springform Ø 26 cm)
        Im Herbst und Winter durften Rezepte mit Nüssen nicht fehlen.   • 125 g Butter
 Sündhaft süß  Der Duft von gerösteten Walnüssen, Haselnüssen oder Mandeln   • 150 g Zucker

                                                                   • 1 Päckchen Vanillezucker
        erfüllte  die  Küche  und  kündigte  gemütliche  Nachmittage  an.
                                                                   • 3 Eier
        Nussecken waren knusprig, süß und ein idealer Vorratskuchen,
        der mehrere Tage frisch blieb. Ein Hefestriezel mit Mandeln oder   • 200 g Mehl
                                                                   • 2 TL Backpulver
        Rosinen gehörte zu Weihnachten fast selbstverständlich dazu,   • 2 – 3 EL Milch
 Die besten Klassiker aus Omas Backbuch  oft kunstvoll geflochten und mit Zucker bestäubt. Diese Back-  • 4 – 5 Äpfel (z.B. Boskop oder Elstar)
        werke waren nicht nur Genuss, sondern auch Ausdruck von    • 1 TL Zitronensaft
                                                                   • 1 TL Zimt
        Sorgfalt und Handwerk, jedes Stück ein kleines Kunstwerk, das
 B  eim  bloßen  Gedanken  daran  steigt  einem  schon   APFELKUCHEN UND STRUDEL –  lange in Erinnerung blieb.  • Puderzucker zum Bestäuben
 FRUCHTIGE EVERGREENS
 der Duft in die Nase: frisch gebackener Apfel-
 kuchen, zart schmelzende Schokolade oder ein
                                                                   1. Den Ofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.
        Besondere Anlässe verlangten nach besonderen Kreationen.
 Stück Käsekuchen, das auf der Zunge cremig zerfließt.   Kaum ein Rezept steht so sehr für Omas Backkünste wie   FESTLICHE KLASSIKER – TORTEN MIT TRADITION  Zubereitung
 der Apfelkuchen. Ob gedeckt, mit knusprigen Streuseln
 Und sofort sind die Erinnerungen da: Wie man als Kind   oder als feiner Strudel, Äpfel waren immer da und wurden   Die Schwarzwälder Kirschtorte, reichlich gefüllt mit Sahne, Kir-  Eine Springform einfetten oder mit Backpapier auslegen.
 ungeduldig auf dem Küchenhocker saß, die Nase über die   vielseitig verarbeitet. Der Duft von Zimt und frischem Teig   schen und einem Schuss Kirschwasser, war fast schon ein Ri-  2. Butter, Zucker und Vanillezucker cremig rühren. Eier
 Teigschüssel hielt und heimlich mit dem Finger über den   weckt sofort Erinnerungen an den Sonntagskaffee, an   tual auf Hochzeiten oder runden Geburtstagen. Der Frankfurter   einzeln unterrühren, bis eine helle, luftige Masse
                                                                   entsteht.
 Löffel strich. Omas Backbuch ist ein wahres Schatzkäst-  Herbsttage, an Familienfeste. Besonders beliebt war der   Kranz, mit Buttercreme, Marmelade und Krokant, wirkte wie eine   3. Mehl und Backpulver mischen, die luftige Masse
 chen, gefüllt mit handgeschriebenen Rezepten, sorgfältig   Apfelstrudel, dünn ausgewalzt und kunstvoll gefüllt, oft   Krönung auf der Kaffeetafel. Und der Bienenstich mit karamelli-  abwechselnd mit der Milch unterrühren, bis ein glatter
 auf mittlerweile vergilbten Seiten notiert, manchmal er-  warm serviert mit Vanillesoße. Apfelkuchen ist mehr als ein   sierter Mandeldecke, gefüllt mit Pudding oder Sahne, verband   Teig entsteht.
 gänzt mit kleinen Randnotizen oder geheimen Tricks, die   Kuchen. Er ist ein Stück Alltagskultur, das in fast jedem   knusprigen Biss mit cremiger Fülle. Diese Torten sind Symbole   4. Teig in die Springform füllen und glatt streichen.
 nur sie kannte. Die darin enthaltenen Kuchen-Klassiker   Backbuch einen festen Platz hatte.  für Feierlichkeit und Zusammenhalt, die ohne Worte zeigten:   5. Äpfel schälen, vierteln, entkernen und die Oberseiten
 sind nicht nur süß, sie sind ein Stück Heimat und Gebor-  Heute ist ein besonderer Tag. ■  der Viertel mehrfach fächerartig einschneiden. Mit
 genheit. Sie sind Erinnerungen an Sonntagnachmittage,   SCHOKOTRÄUME – VOM MARMORKUCHEN  Zitronensaft beträufeln und leicht mit Zimt bestäuben.
 den Kaffeetisch und fröhliches Lachen, Rezepte, die Ge-  BIS ZUR SACHERTORTE  6. Die Apfelviertel mit der Schnittseite nach oben
 nerationen überdauern und auch heutzutage beliebt sind.  Schokolade war schon immer ein Stück Luxus im Alltag   gleichmäßig in den Teig drücken – sie „versinken“ beim
 Auch heute, in Zeiten von Food-Trends und schnellen Re-  und genau das spiegelt sich in Omas Rezepten wider. Der   Backen leicht.
 zepten, haben diese Backwerke ihren festen Platz. Sie   Marmorkuchen gehört zu den absoluten Klassikern:   7. Im vorgeheizten Ofen ca. 35–40 Minuten goldbraun
                                                                   backen (Stäbchenprobe!).
 sind zeitlos, weil sie mehr bieten als Geschmack: Sie   schnell gemacht, saftig und mit seinem hell-dunklen Mus-  8. Abkühlen lassen, mit Puderzucker bestäuben und
 schenken ein Gefühl von Stabilität und zeigen, dass wahre   ter ein Hingucker auf jeder Kaffeetafel. Für festlichere An-  servieren.
 Klassiker niemals aus der Mode kommen. „Sündhaft süß“   lässe durfte es opulenter sein: eine Schokoladentorte mit
 bedeutet deshalb nicht nur, Kuchen zu essen, sondern ein   glänzender Glasur oder die berühmte Sachertorte, gefüllt   Tipp: Besonders saftig wird der Kuchen, wenn man die
 Stück Geschichte weiterzutragen, Bissen für Bissen, Seite   mit Aprikosenmarmelade und umhüllt von dunklem Scho-  Äpfel vor dem Backen kurz in etwas Butter und Zucker
 für Seite aus Omas Backbuch.  koladenguss. Wer in Omas Küche naschte, bekam oft   karamellisieren lässt.

 94  LebensraumKÜCHE                                                                                LebensraumKÜCHE 95
   90   91   92   93   94   95   96   97   98   99   100